Acamprosat oder Naltrexon – was ist der Unterschied?
Kurzantwort: Acamprosat und Naltrexon werden beide bei Alkoholabhängigkeit eingesetzt, haben aber unterschiedliche therapeutische Schwerpunkte. Acamprosat dient vor allem der Stabilisierung einer bereits erreichten Abstinenz. Naltrexon kann dagegen die belohnende Wirkung von Alkohol abschwächen und dadurch Rückfälle beziehungsweise schwere Trinkepisoden reduzieren.
Acamprosat und Naltrexon im Vergleich
| Merkmal | Acamprosat | Naltrexon |
|---|---|---|
| Therapeutischer Schwerpunkt | Stabilisierung einer erreichten Alkoholabstinenz | Reduktion der belohnenden Wirkung von Alkohol und des Rückfallrisikos |
| Wirkprinzip | Beeinflusst unter anderem glutamaterge und GABA-vermittelte Signalwege | Blockiert Opioidrezeptoren |
| Akuter Alkoholentzug | Nicht zur Behandlung geeignet | Nicht zur Behandlung geeignet |
| Nierenfunktion | Besonders wichtig, da Acamprosat überwiegend renal ausgeschieden wird | Ebenfalls medizinisch zu berücksichtigen |
| Leberfunktion | Wird nur in geringem Umfang über die Leber verstoffwechselt | Leberfunktion ist besonders relevant |
| Opioide | Keine direkte Blockade der Opioidwirkung | Opioide sind während der Behandlung problematisch |
Wann kann Acamprosat eher infrage kommen?
Acamprosat wird eingesetzt, wenn der Alkoholkonsum bereits beendet wurde und die erreichte Abstinenz stabilisiert werden soll.
Der therapeutische Schwerpunkt liegt damit nicht auf einer akuten Entgiftung und auch nicht darauf, Alkoholkonsum unmittelbar unangenehm zu machen.
Acamprosat wird überwiegend über die Nieren ausgeschieden. Deshalb ist die Nierenfunktion bei der Entscheidung für eine Behandlung besonders wichtig.
Weitere Informationen zu Dosierung, Einnahme und Sicherheit finden Sie auf unserer Produktseite zu Acamprosat 333 mg.
Wann kann Naltrexon eher infrage kommen?
Naltrexon kann eingesetzt werden, wenn insbesondere die belohnende Wirkung von Alkohol, starkes Verlangen oder wiederkehrende schwere Trinkepisoden therapeutisch beeinflusst werden sollen.
Der Wirkstoff blockiert Opioidrezeptoren und kann dadurch bei manchen Patienten dazu beitragen, dass Alkoholkonsum weniger verstärkend erlebt wird.
Den Wirkmechanismus erklären wir ausführlicher im Beitrag Naltrexon gegen Alkohol – wie wirkt es?.
Welche Rolle spielen Leber und Nieren?
Leber- und Nierenfunktion können bei der Wahl zwischen Acamprosat und Naltrexon eine wichtige Rolle spielen.
Acamprosat wird überwiegend über die Nieren ausgeschieden und kann bei deutlicher Nierenfunktionsstörung ungeeignet sein.
Bei Naltrexon muss dagegen insbesondere die Leberfunktion berücksichtigt werden. Bei bestimmten schweren Lebererkrankungen darf Naltrexon nicht angewendet werden.
Warum sind Opioide bei Naltrexon wichtig?
Naltrexon blockiert Opioidrezeptoren und kann dadurch die Wirkung opioidbasierter Arzneimittel erheblich vermindern.
Vor Beginn einer Naltrexon-Behandlung muss deshalb geklärt werden, ob Opioide eingenommen werden. Ausführliche Informationen zu opioidfreier Phase, Schmerzmitteln und weiteren Sicherheitsaspekten finden Sie auf der Produktseite zu Naltrexon 50 mg.
Welches Medikament ist besser?
Eine allgemein bessere Behandlung gibt es nicht. Acamprosat und Naltrexon verfolgen unterschiedliche therapeutische Ansätze.
Acamprosat kann besonders dann sinnvoll sein, wenn eine bereits erreichte Abstinenz stabilisiert werden soll. Naltrexon kann dagegen eher infrage kommen, wenn starkes Verlangen oder wiederholte schwere Trinkepisoden im Vordergrund stehen.
Beide Medikamente ersetzen keinen sicheren Alkoholentzug
Weder Acamprosat noch Naltrexon sind zur Behandlung eines akuten Alkoholentzugs vorgesehen.
Ein ausgeprägter Alkoholentzug kann medizinisch gefährlich sein. Besonders bei früheren Krampfanfällen, schwerem Zittern, Halluzinationen, Verwirrtheit oder anderen ausgeprägten Entzugssymptomen ist eine ärztlich überwachte Behandlung erforderlich.
Kann man Acamprosat und Naltrexon zusammen einnehmen?
Ob beide Wirkstoffe kombiniert werden können, muss individuell ärztlich entschieden werden. Eine Kombination sollte nicht eigenständig begonnen werden.
Dabei müssen unter anderem Begleiterkrankungen, Leber- und Nierenfunktion, andere Medikamente und das konkrete Therapieziel berücksichtigt werden.
Häufige Fragen
Welches Medikament hilft besser gegen Rückfälle?
Das hängt von der individuellen Situation ab. Acamprosat ist besonders auf die Stabilisierung einer bestehenden Abstinenz ausgerichtet. Naltrexon kann dagegen die belohnende Wirkung von Alkohol und damit bestimmte Rückfallmuster beeinflussen.
Machen Acamprosat oder Naltrexon Alkohol unverträglich?
Nein. Beide Wirkstoffe funktionieren anders als Disulfiram und lösen keine gezielte Unverträglichkeitsreaktion auf Alkohol aus.
Sind beide Medikamente verschreibungspflichtig?
Ja. Sowohl Acamprosat als auch Naltrexon sind verschreibungspflichtig und sollten im Rahmen eines medizinisch begleiteten Behandlungskonzepts eingesetzt werden.
Die Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Die Behandlung einer Alkoholabhängigkeit sollte individuell geplant und möglichst durch psychosoziale oder psychotherapeutische Maßnahmen ergänzt werden.
