Nieren & Harnwege: Beschwerden, Erkrankungen & Behandlung

Nieren und Harnwege

Die Nieren und Harnwege übernehmen lebenswichtige Aufgaben im Körper. Die Nieren filtern das Blut, bilden Urin und helfen dabei, Wasser, Mineralstoffe und bestimmte Stoffwechselprodukte im Gleichgewicht zu halten. Über die Harnleiter gelangt der Urin zur Harnblase und wird schließlich über die Harnröhre ausgeschieden.

Erkrankungen von Nieren, Blase und Harnwegen können sehr unterschiedlich verlaufen. Manche Beschwerden wie eine unkomplizierte Blasenentzündung lassen sich meist gut behandeln. Andere Erkrankungen – beispielsweise eine chronische Nierenerkrankung – können sich lange unbemerkt entwickeln.

Welche Organe gehören zu Nieren und Harnwegen?

Zum Harnsystem gehören:

  • die beiden Nieren,
  • die Nierenbecken,
  • die Harnleiter,
  • die Harnblase,
  • die Harnröhre.

Die Nieren bilden den Urin. Von dort gelangt er über die beiden Harnleiter in die Harnblase, wo er gesammelt wird. Beim Wasserlassen wird der Urin schließlich über die Harnröhre ausgeschieden.

Welche Aufgaben haben die Nieren?

Die Nieren sind wesentlich mehr als reine „Filterorgane“. Sie übernehmen mehrere wichtige Funktionen gleichzeitig.

Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem:

  • Ausscheidung von Stoffwechselprodukten über den Urin,
  • Regulation des Wasserhaushalts,
  • Regulation verschiedener Mineralstoffe und Elektrolyte,
  • Beteiligung an der Regulation des Blutdrucks,
  • Mitwirkung am Säure-Basen-Haushalt,
  • Bildung beziehungsweise Aktivierung bestimmter Hormone.

Wenn die Nierenfunktion deutlich nachlässt, können deshalb zahlreiche Vorgänge im gesamten Körper beeinträchtigt werden.

Welche Erkrankungen von Nieren und Harnwegen sind häufig?

Erkrankungen des Harnsystems reichen von vergleichsweise häufigen Beschwerden wie einer Blasenentzündung bis hin zu chronischen oder schweren Nierenerkrankungen.

Zu wichtigen Krankheitsbildern gehören beispielsweise:

  • Blasenentzündung und andere Harnwegsinfektionen,
  • Nierenbeckenentzündung,
  • Nieren- und Harnleitersteine,
  • chronische Nierenerkrankungen,
  • akute Einschränkungen der Nierenfunktion,
  • Störungen der Blasenentleerung,
  • Harninkontinenz,
  • Erkrankungen der Prostata mit Auswirkungen auf die Harnwege.

Blasenentzündung und Harnwegsinfektion

Eine Blasenentzündung (Zystitis) gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Harnwege. Meist gelangen Bakterien über die Harnröhre in die Blase und verursachen dort eine Entzündung.

Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, unter anderem weil ihre Harnröhre kürzer ist.

Typische Symptome einer Blasenentzündung

  • Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen,
  • häufiger Harndrang,
  • häufiges Wasserlassen kleiner Urinmengen,
  • Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch.

Eine unkomplizierte Blasenentzündung heilt häufig ohne Folgen aus. Antibiotika können die Beschwerden und Krankheitsdauer verkürzen, sind aber bei unkomplizierten Verläufen nicht in jedem Fall zwingend erforderlich.

Wann kann ein Harnwegsinfekt gefährlicher werden?

Steigen Bakterien von der Blase über die Harnleiter bis zur Niere auf, kann eine Nierenbeckenentzündung entstehen.

Warnzeichen sind insbesondere:

  • Fieber,
  • Schüttelfrost,
  • Schmerzen in der Flanke oder im Rücken,
  • Übelkeit oder Erbrechen.

Treten diese Beschwerden zusammen mit Symptomen eines Harnwegsinfekts auf, sollte rasch ärztlicher Rat eingeholt werden.

Nierensteine und Harnleitersteine

Nierensteine entstehen, wenn bestimmte Stoffe im Urin kristallisieren und feste Ablagerungen bilden. Bleibt ein Stein in der Niere, kann er zunächst unbemerkt bleiben. Wandert er jedoch in den Harnleiter, kann er starke Schmerzen verursachen.

Wie fühlt sich eine Nierenkolik an?

Typisch sind plötzlich einsetzende, sehr starke und häufig wellenförmig verlaufende Schmerzen in der Flanke. Die Schmerzen können in den Unterbauch oder in den Genitalbereich ausstrahlen.

Zusätzlich können auftreten:

  • Übelkeit und Erbrechen,
  • Blut im Urin,
  • häufiger Harndrang,
  • Schmerzen beim Wasserlassen.

Kleine Steine können teilweise von selbst ausgeschieden werden. Bei größeren Steinen oder einem blockierten Harnleiter können medizinische Maßnahmen erforderlich sein.

Warum entstehen Nierensteine?

Nierensteine können entstehen, wenn die Konzentration bestimmter Mineralstoffe oder anderer Substanzen im Urin zu hoch wird. Dann können Kristalle entstehen, die sich nach und nach zu Steinen vergrößern.

Eine zu geringe Flüssigkeitszufuhr kann die Steinbildung begünstigen, weil der Urin dadurch stärker konzentriert wird. Auch bestimmte Stoffwechselerkrankungen, Ernährungsfaktoren, Medikamente und anatomische Besonderheiten können eine Rolle spielen.

Chronische Nierenerkrankung

Bei einer chronischen Nierenerkrankung ist die Funktion der Nieren über längere Zeit eingeschränkt. Das Problem: In frühen Stadien verursacht eine nachlassende Nierenfunktion oft keine eindeutigen Beschwerden.

Deshalb kann eine chronische Nierenerkrankung über längere Zeit unentdeckt bleiben. Besonders wichtig sind Kontrollen bei Menschen mit Erkrankungen, die die Nieren langfristig belasten können.

Welche Erkrankungen können die Nieren schädigen?

Zu wichtigen Risikofaktoren gehören unter anderem:

  • Diabetes mellitus,
  • Bluthochdruck,
  • bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • chronische oder wiederkehrende Nierenerkrankungen,
  • bestimmte Medikamente bei langfristiger oder ungeeigneter Anwendung.

Menschen mit Diabetes finden weitere Informationen in unserem Bereich Diabetiker.

Welche Symptome kann eine eingeschränkte Nierenfunktion verursachen?

Eine leichte Einschränkung der Nierenfunktion bleibt häufig unbemerkt. Bei stärker fortgeschrittener Erkrankung können jedoch unterschiedliche Beschwerden auftreten.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • ungewöhnliche Müdigkeit und Leistungsabfall,
  • Wassereinlagerungen, beispielsweise an Beinen oder Knöcheln,
  • Veränderungen der Urinmenge,
  • Appetitlosigkeit oder Übelkeit,
  • Juckreiz,
  • erhöhter Blutdruck.

Diese Beschwerden sind unspezifisch und können zahlreiche andere Ursachen haben. Eine sichere Beurteilung der Nierenfunktion ist deshalb nur durch entsprechende Untersuchungen möglich.

Wie wird die Nierenfunktion überprüft?

Zur Beurteilung der Nieren werden häufig Blut- und Urinuntersuchungen eingesetzt. Dabei können verschiedene Werte Hinweise auf die Filterleistung und mögliche Schädigungen geben.

Typische Untersuchungen sind unter anderem:

  • Bestimmung von Kreatinin im Blut,
  • Berechnung der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR),
  • Untersuchung des Urins auf Eiweiß oder Blut,
  • Blutdruckmessung,
  • Ultraschalluntersuchung der Nieren und Harnwege.

Welche Untersuchungen erforderlich sind, hängt von den Beschwerden, Vorerkrankungen und bisherigen Befunden ab.

Blut im Urin

Blut im Urin kann unterschiedliche Ursachen haben. Möglich sind beispielsweise Harnwegsinfektionen, Nieren- oder Harnleitersteine, Erkrankungen der Prostata oder andere Veränderungen der Harnwege.

Sichtbares Blut im Urin sollte ärztlich abgeklärt werden, auch wenn keine Schmerzen bestehen oder die Verfärbung nur einmal aufgetreten ist.

Probleme beim Wasserlassen

Schwierigkeiten beim Wasserlassen können ebenfalls verschiedene Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem Veränderungen von Blase und Harnwegen sowie bei Männern eine vergrößerte Prostata.

Mögliche Beschwerden sind:

  • schwacher Harnstrahl,
  • verzögerter Beginn des Wasserlassens,
  • Nachtröpfeln,
  • häufiger Harndrang,
  • nächtliches Wasserlassen,
  • das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung.

Bei Männern können solche Symptome unter anderem mit einer gutartigen Prostatavergrößerung zusammenhängen. Weitere Informationen finden Sie unter Männerkrankheiten.

Was ist ein Harnverhalt?

Bei einem akuten Harnverhalt kann die Blase trotz starkem Harndrang nicht mehr ausreichend oder gar nicht entleert werden. Häufig entsteht ein starkes Druck- oder Schmerzgefühl im Unterbauch.

Ein akuter Harnverhalt muss rasch medizinisch behandelt werden.

Wie viel sollte man für die Nieren trinken?

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für viele gesunde Menschen sinnvoll. Wie viel tatsächlich benötigt wird, hängt jedoch unter anderem von Alter, Körpergröße, körperlicher Aktivität, Umgebungstemperatur und Ernährung ab.

Die oft gehörte Empfehlung, möglichst viel zu trinken, gilt nicht uneingeschränkt. Bei bestimmten Herz- oder Nierenerkrankungen kann die Trinkmenge gezielt begrenzt werden müssen. Betroffene sollten sich deshalb an die individuelle Empfehlung ihrer Ärztin oder ihres Arztes halten.

Medikamente und Nierenfunktion

Die Nieren sind auch für die Ausscheidung vieler Arzneistoffe wichtig. Ist die Nierenfunktion eingeschränkt, können sich bestimmte Medikamente stärker im Körper anreichern oder länger wirken.

Deshalb muss bei einigen Arzneimitteln die Dosierung an die Nierenfunktion angepasst werden.

Ein Beispiel ist das Antihistaminikum Cetirizin. Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann eine andere Dosierung notwendig sein. Hinweise hierzu finden Sie auch auf unserer Seite zu Zyrtec 10 mg (Cetirizin).

Schmerzmittel und Nieren

Auch frei verkäufliche Medikamente sind nicht automatisch für jeden Menschen risikofrei. Bestimmte Schmerzmittel können insbesondere bei bestehenden Nierenerkrankungen, Flüssigkeitsmangel oder bestimmten Begleiterkrankungen problematisch sein.

Wer an einer Nierenerkrankung leidet oder regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte deshalb vor einer längerfristigen Selbstmedikation ärztlichen oder pharmazeutischen Rat einholen.

Wann sollte man mit Beschwerden der Harnwege zum Arzt?

Eine ärztliche Untersuchung ist insbesondere sinnvoll bei:

  • sichtbarem Blut im Urin,
  • anhaltenden Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen,
  • wiederkehrenden Harnwegsinfektionen,
  • anhaltenden Problemen bei der Blasenentleerung,
  • neu auftretenden Wassereinlagerungen,
  • auffälligen Veränderungen der Urinmenge,
  • ungeklärten oder wiederkehrenden Flankenschmerzen.

Wann sind Beschwerden ein Notfall?

Rasche medizinische Hilfe ist besonders wichtig bei:

  • starken kolikartigen Flankenschmerzen,
  • Fieber und Schüttelfrost zusammen mit Flankenschmerzen,
  • plötzlicher Unfähigkeit, Wasser zu lassen,
  • starker Verschlechterung des Allgemeinzustandes,
  • deutlich verminderter oder vollständig ausbleibender Urinausscheidung.

Insbesondere die Kombination aus Harnwegsbeschwerden, Fieber und Schmerzen in der Nierengegend sollte zeitnah abgeklärt werden, da eine Infektion der oberen Harnwege beziehungsweise der Niere vorliegen kann.

Wie kann man Nieren und Harnwege schützen?

Nicht jede Nieren- oder Harnwegserkrankung lässt sich verhindern. Einige beeinflussbare Risikofaktoren können jedoch reduziert werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Blutdruck regelmäßig kontrollieren und behandeln lassen,
  • Diabetes gut einstellen lassen,
  • ausreichend trinken, sofern medizinisch nichts dagegenspricht,
  • Medikamente nicht unnötig oder dauerhaft ohne Rücksprache einnehmen,
  • bei wiederkehrenden Nierensteinen die Ursache untersuchen lassen,
  • anhaltende Harnwegsbeschwerden medizinisch abklären lassen.

Häufige Fragen zu Nieren und Harnwegen

Welche Aufgabe haben die Nieren?

Die Nieren filtern das Blut, bilden Urin und helfen unter anderem dabei, Wasserhaushalt, Mineralstoffe, Säure-Basen-Haushalt und Blutdruck zu regulieren.

Woran erkennt man eine Blasenentzündung?

Typische Beschwerden sind Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und häufiges Wasserlassen kleiner Mengen. Fieber oder Flankenschmerzen können dagegen auf eine Beteiligung der oberen Harnwege hinweisen.

Wie merkt man Nierensteine?

Kleine Nierensteine können unbemerkt bleiben. Wandert ein Stein in den Harnleiter, können plötzlich starke, wellenförmige Flankenschmerzen auftreten, die in den Unterbauch oder Genitalbereich ausstrahlen.

Welche Werte zeigen die Nierenfunktion?

Zur Beurteilung werden unter anderem der Kreatininwert und die daraus berechnete eGFR verwendet. Zusätzlich kann der Urin auf Eiweiß, Blut und andere Auffälligkeiten untersucht werden.

Warum kann Diabetes die Nieren schädigen?

Langjährig erhöhte Blutzuckerwerte können kleine Blutgefäße und damit auch die Filterstrukturen der Nieren schädigen. Deshalb gehören regelmäßige Kontrollen der Nierenfunktion zur Betreuung von Menschen mit Diabetes.

Sollte man bei Nierenproblemen besonders viel trinken?

Nicht grundsätzlich. Bei gesunden Menschen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sinnvoll. Bei bestimmten Nieren- oder Herzerkrankungen kann jedoch eine individuell festgelegte Trinkmenge notwendig sein.

In der Kapellen-Apotheke in Mömbris beraten wir Sie gerne zu Arzneimitteln, ihrer richtigen Anwendung sowie möglichen Wechselwirkungen und Besonderheiten bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen gesundheitlichen Orientierung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Behandlung.