Schmerz- und Schlafmedizin – Beschwerden erkennen und gezielt behandeln
Schmerzen und Schlafprobleme gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden. Beide können kurzfristig auftreten, aber auch über längere Zeit bestehen und sich erheblich auf Alltag, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität auswirken.
Dabei beeinflussen sich Schmerz und Schlaf häufig gegenseitig: Schmerzen können das Ein- und Durchschlafen erschweren, während dauerhaft schlechter Schlaf die Schmerzempfindlichkeit und körperliche Belastbarkeit zusätzlich beeinträchtigen kann.
Akute und chronische Schmerzen – was ist der Unterschied?
Akute Schmerzen haben häufig eine Warn- und Schutzfunktion. Sie können beispielsweise bei einer Verletzung, Entzündung, Infektion oder nach einer Operation auftreten und bilden sich meist zurück, wenn die Ursache behandelt beziehungsweise das Gewebe abgeheilt ist.
Von chronischen Schmerzen spricht man in der Regel, wenn Schmerzen länger als drei Monate bestehen oder immer wieder auftreten.
Chronische Schmerzen sind nicht lediglich länger anhaltende akute Schmerzen. Mit zunehmender Dauer können sich Schmerzverarbeitung, Bewegung, Schlaf, Stimmung und Verhalten gegenseitig beeinflussen.
Welche Arten von Schmerzen gibt es?
Schmerzen können nach Ursache, Dauer und Charakter unterschiedlich eingeordnet werden.
Nozizeptive Schmerzen
Sie entstehen durch Aktivierung von Schmerzrezeptoren, beispielsweise bei Verletzungen, Entzündungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparats.
Neuropathische Schmerzen
Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine Schädigung oder Erkrankung von Nerven. Typische Beschreibungen sind beispielsweise brennend, einschießend, elektrisierend oder kribbelnd.
Chronische primäre Schmerzen
Bei manchen chronischen Schmerzerkrankungen lässt sich die Stärke der Beschwerden nicht allein durch eine fortbestehende Gewebeschädigung erklären. Biologische, psychologische und soziale Faktoren können gemeinsam zur Aufrechterhaltung der Schmerzen beitragen.
Wann sollten Schmerzen ärztlich abgeklärt werden?
Neue oder ungewöhnlich starke Schmerzen sollten besonders dann medizinisch beurteilt werden, wenn die Ursache nicht offensichtlich ist oder weitere Beschwerden hinzukommen.
Eine zeitnahe Abklärung ist beispielsweise sinnvoll bei:
- anhaltenden oder zunehmend stärker werdenden Schmerzen,
- Schmerzen nach einem Unfall oder einer stärkeren Verletzung,
- neu auftretenden Lähmungen oder ausgeprägten Gefühlsstörungen,
- Fieber oder deutlicher Allgemeinverschlechterung,
- ungeklärtem Gewichtsverlust,
- wiederkehrenden starken Kopfschmerzen,
- Schmerzen, die regelmäßig den Schlaf oder Alltag erheblich beeinträchtigen.
Wie werden chronische Schmerzen behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach Schmerzursache, Dauer, Begleiterkrankungen und individuellen Einschränkungen.
Bei chronischen Schmerzen ist häufig ein multimodaler Behandlungsansatz sinnvoll. Dabei werden unterschiedliche Therapieverfahren miteinander kombiniert.
Dazu können gehören:
- ärztliche Schmerztherapie,
- geeignete Arzneimittel,
- Physio- und Bewegungstherapie,
- Ergotherapie,
- psychotherapeutische Verfahren,
- Stressbewältigung und Entspannungsverfahren,
- Behandlung begleitender Schlaf- oder psychischer Beschwerden.
Ziel ist bei chronischen Erkrankungen nicht immer vollständige Schmerzfreiheit. Häufig stehen eine spürbare Schmerzlinderung, mehr Beweglichkeit und eine bessere Teilhabe am Alltag im Vordergrund.
Welche Rolle spielen Schmerzmittel?
Arzneimittel können ein wichtiger Bestandteil einer Schmerzbehandlung sein. Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt jedoch stark von Schmerzart, Grunderkrankung, Begleitmedikation und individuellen Risiken ab.
Schmerzmittel sollten insbesondere bei längerfristiger Anwendung nicht allein nach der subjektiv empfundenen Stärke eines Präparats ausgewählt werden.
Warum sind Opioide bei chronischen Schmerzen nicht immer die beste Lösung?
Opioide können bei bestimmten starken Schmerzen medizinisch sinnvoll sein. Eine langfristige Behandlung ist jedoch nur für ausgewählte Patienten geeignet.
Bei längerer Anwendung müssen Nutzen und Risiken regelmäßig überprüft werden. Zu möglichen Problemen gehören unter anderem Müdigkeit, Verstopfung, Toleranzentwicklung und Abhängigkeit.
Bei vielen chronischen nicht-tumorbedingten Schmerzen stehen deshalb multimodale Behandlungskonzepte im Vordergrund.
Schlafstörungen – mehr als nur eine schlechte Nacht
Gelegentlich schlecht zu schlafen ist normal. Stress, Reisen, außergewöhnliche Belastungen oder kurzfristige Erkrankungen können den Schlaf vorübergehend beeinträchtigen.
Medizinisch relevant werden Schlafprobleme insbesondere dann, wenn sie regelmäßig auftreten, über längere Zeit bestehen und zu Beschwerden oder Leistungseinbußen am Tag führen.
Typische Beschwerden sind:
- lange Einschlafzeiten,
- häufiges Erwachen während der Nacht,
- langes Wachliegen nach nächtlichem Erwachen,
- sehr frühes morgendliches Erwachen,
- nicht erholsamer Schlaf,
- Müdigkeit und Konzentrationsprobleme am Tag.
Welche Ursachen können Schlafprobleme haben?
Schlafstörungen können viele unterschiedliche Ursachen haben. Deshalb ist nicht jedes Schlafproblem automatisch eine eigenständige Insomnie.
Mögliche Auslöser oder begünstigende Faktoren sind beispielsweise:
- Stress und anhaltende Sorgen,
- Depressionen oder Angststörungen,
- chronische Schmerzen,
- unregelmäßige Schlafzeiten oder Schichtarbeit,
- Koffein, Alkohol oder andere stimulierende Substanzen,
- bestimmte Arzneimittel,
- Atemstörungen im Schlaf,
- Restless-Legs-Syndrom,
- körperliche Erkrankungen.
Schmerzen und Schlaf beeinflussen sich gegenseitig
Menschen mit chronischen Schmerzen berichten häufig über Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen. Schmerzen können das Einschlafen verhindern oder zu wiederholtem Erwachen führen.
Umgekehrt kann dauerhaft nicht erholsamer Schlaf die Schmerzverarbeitung beeinflussen. Dadurch können Beschwerden intensiver wahrgenommen werden und die körperliche und psychische Belastbarkeit sinken.
Wie werden Schlafstörungen diagnostiziert?
Am Anfang steht normalerweise ein ausführliches Gespräch über Schlafzeiten, nächtliche Beschwerden und die Auswirkungen am Tag.
Hilfreich können beispielsweise Angaben sein zu:
- üblicher Schlafens- und Aufstehzeit,
- Dauer bis zum Einschlafen,
- nächtlichem Erwachen,
- Tagesmüdigkeit,
- Schnarchen und beobachteten Atempausen,
- Bewegungsdrang oder unangenehmen Empfindungen in den Beinen,
- Alkohol- und Koffeinkonsum,
- eingenommenen Arzneimitteln.
Ein Schlaftagebuch kann helfen, Schlafgewohnheiten und Beschwerden über mehrere Wochen besser einzuordnen.
Wann ist ein Schlaflabor notwendig?
Nicht jede Schlafstörung muss im Schlaflabor untersucht werden. Bei typischen Ein- und Durchschlafstörungen kann die Diagnose häufig bereits durch Anamnese und weitere ambulante Untersuchungen gestellt werden.
Eine Untersuchung im Schlaflabor kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn der Verdacht auf eine schlafbezogene Atmungsstörung, bestimmte Bewegungsstörungen oder andere spezielle Schlafkrankheiten besteht.
Dabei können während des Schlafs unter anderem Atmung, Sauerstoffsättigung, Herzaktivität, Gehirnaktivität und Muskelbewegungen aufgezeichnet werden.
Wie werden länger anhaltende Schlafstörungen behandelt?
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Liegt beispielsweise eine Schlafapnoe, Depression, Schmerzstörung oder andere Erkrankung zugrunde, muss diese entsprechend berücksichtigt werden.
Bei chronischer Insomnie spielen nicht-medikamentöse Verfahren eine besonders wichtige Rolle.
Kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie
Die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie – häufig als CBT-I bezeichnet – kombiniert verschiedene verhaltens- und gedankenbezogene Verfahren.
Ziel ist unter anderem, ungünstige Schlafgewohnheiten und belastende Gedanken über den Schlaf zu verändern und wieder einen stabileren Schlaf-Wach-Rhythmus aufzubauen.
Was kann die Schlafhygiene verbessern?
Einige grundlegende Gewohnheiten können einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützen.
- Möglichst regelmäßige Aufstehzeiten einhalten.
- Koffein insbesondere später am Tag reduzieren.
- Alkohol nicht als Schlafmittel einsetzen.
- Tagsüber körperlich aktiv bleiben.
- Das Schlafzimmer möglichst ruhig und angenehm gestalten.
- Abendliche Routinen schaffen, die das Abschalten erleichtern.
Solche Maßnahmen können hilfreich sein, ersetzen bei einer ausgeprägten chronischen Schlafstörung aber nicht automatisch eine gezielte Behandlung.
Welche Rolle spielen Schlafmittel?
Schlafmittel können in bestimmten Situationen vorübergehend sinnvoll sein. Die Auswahl hängt von Ursache, Alter, Begleiterkrankungen und anderen eingenommenen Arzneimitteln ab.
Bestimmte verschreibungspflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel sind nicht für eine unkontrollierte langfristige Einnahme vorgesehen.
Wann sollten Schlafprobleme ärztlich abgeklärt werden?
Eine ärztliche Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn Schlafprobleme regelmäßig auftreten, länger anhalten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Weitere Gründe für eine Untersuchung sind beispielsweise:
- ausgeprägte Tagesmüdigkeit oder Sekundenschlaf,
- lautes Schnarchen mit beobachteten Atempausen,
- nächtliche Atemnot,
- starker Bewegungsdrang in den Beinen,
- auffällige Bewegungen oder Verhaltensweisen im Schlaf,
- gleichzeitig bestehende Depressionen oder Angststörungen,
- regelmäßige Einnahme von Schlafmitteln.
Schlaf, Psyche und chronische Erkrankungen
Schlafprobleme treten häufig gemeinsam mit psychischen Erkrankungen auf. Depressionen, Angststörungen und anhaltender Stress können den Schlaf beeinträchtigen; zugleich kann länger anhaltender Schlafmangel psychische Beschwerden verstärken.
Weitere Informationen zu diesem Zusammenhang finden Sie in unserem Bereich Psychische Erkrankungen.
Bei Schmerzen des Bewegungsapparats können außerdem Informationen aus dem Bereich Orthopädie & Unfallmedizin
hilfreich sein.
Häufige Fragen zu Schmerz und Schlaf
Wann gelten Schmerzen als chronisch?
Von chronischen Schmerzen spricht man üblicherweise, wenn Beschwerden länger als drei Monate anhalten oder wiederholt auftreten.
Können Schlafprobleme Schmerzen verstärken?
Ja. Schmerz und Schlaf können sich gegenseitig beeinflussen. Nicht erholsamer Schlaf kann die Schmerzempfindlichkeit erhöhen und die Belastung durch chronische Beschwerden verstärken.
Braucht man bei Schlafproblemen immer ein Schlaflabor?
Nein. Viele Schlafprobleme können zunächst anhand der Krankengeschichte, eines Schlaftagebuchs und weiterer ambulanter Untersuchungen eingeordnet werden. Ein Schlaflabor wird vor allem bei bestimmten Verdachtsdiagnosen eingesetzt.
Sind Schlafmittel eine Dauerlösung?
In der Regel nicht. Bestimmte Schlafmittel können für begrenzte Zeit sinnvoll sein. Bei länger bestehenden Schlafstörungen sollte jedoch nach der Ursache gesucht und eine geeignete langfristige Behandlung gewählt
werden.
Kann man chronische Schmerzen ausschließlich mit Schmerzmitteln behandeln?
Häufig nicht. Bei chronischen Schmerzen sind je nach Ursache Kombinationen aus medizinischer Behandlung, Bewegung, Physiotherapie, psychotherapeutischen Verfahren und weiteren Maßnahmen sinnvoll.
Beratung in der Kapellen-Apotheke
Bei Fragen zur richtigen Anwendung von Schmerz- oder Schlafmitteln, möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen beraten wir Sie gerne in der Kapellen-Apotheke in Mömbris.
Wenn Sie ein bestimmtes Arzneimittel anfragen oder dessen Verfügbarkeit prüfen möchten, nutzen Sie unsere Kontaktseite.
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen gesundheitlichen Orientierung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Behandlung. Bei neu auftretenden, starken oder anhaltenden Beschwerden sollte die Ursache medizinisch abgeklärt werden.
