Magen und Darm: Beschwerden, Erkrankungen und Behandlung
Beschwerden von Magen und Darm gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen. Sodbrennen, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung sind oft vorübergehend und harmlos. Sie können jedoch auch auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung hinweisen.
Besonders wichtig ist deshalb nicht nur die Art der Beschwerden, sondern auch deren Dauer, Stärke und Begleitsymptome.
In der Kapellen-Apotheke in Mömbris beraten wir Sie gerne zu geeigneten Arzneimitteln bei unkomplizierten Magen-Darm-Beschwerden. Gleichzeitig gehört zu einer verantwortungsvollen pharmazeutischen Beratung, klar zu erkennen, wann eine ärztliche Untersuchung notwendig ist.
Welche Organe gehören zum Verdauungssystem?
Die Verdauung beginnt bereits im Mund und umfasst mehrere miteinander verbundene Organe.
Dazu gehören unter anderem:
- Speiseröhre,
- Magen,
- Zwölffingerdarm,
- Dünndarm,
- Dickdarm,
- Enddarm.
Auch Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse sind für die Verdauung von großer Bedeutung.
Der Darm transportiert nicht nur den Speisebrei weiter. Im Dünndarm werden zahlreiche Nährstoffe aufgenommen, während der Dickdarm unter anderem Wasser und Salze aus dem Darminhalt zurückgewinnt.
Welche Magen-Darm-Beschwerden sind häufig?
Typische Beschwerden sind beispielsweise:
- Bauchschmerzen und Bauchkrämpfe,
- Sodbrennen,
- saures Aufstoßen,
- Völlegefühl,
- Übelkeit und Erbrechen,
- Blähungen,
- Durchfall,
- Verstopfung,
- veränderter Stuhlgang.
Diese Symptome sind nicht spezifisch für eine einzelne Erkrankung. Gerade länger bestehende oder wiederkehrende Beschwerden sollten daher nicht ausschließlich anhand von Symptomen selbst diagnostiziert werden.
Sodbrennen und Reflux
Gelegentliches Sodbrennen nach einer großen Mahlzeit kommt häufig vor.
Treten Sodbrennen und saures Aufstoßen dagegen regelmäßig oder sehr stark auf, kann eine gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) vorliegen.
Dabei fließt Mageninhalt zurück in die Speiseröhre. Da deren Schleimhaut nicht für längeren Kontakt mit Magensäure ausgelegt ist, kann sie gereizt oder entzündet werden.
Typische Beschwerden sind:
- Brennen hinter dem Brustbein,
- saures Aufstoßen,
- unangenehmer Geschmack im Mund,
- Beschwerden nach größeren Mahlzeiten,
- Verstärkung beim Hinlegen oder Vorbeugen.
Was kann bei gelegentlichem Sodbrennen helfen?
Welche Maßnahmen helfen, ist individuell unterschiedlich.
Bei manchen Menschen kann es sinnvoll sein:
- sehr große Mahlzeiten zu vermeiden,
- persönlich unverträgliche Lebensmittel zu reduzieren,
- späte große Mahlzeiten vor dem Schlafengehen zu vermeiden,
- Alkohol nur wenig oder gar nicht zu trinken,
- nicht zu rauchen.
Bei häufigen oder starken Beschwerden stehen wirksame säurehemmende Medikamente zur Verfügung.
Protonenpumpenhemmer nicht dauerhaft ohne Grund einnehmen
Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol reduzieren die Bildung von Magensäure und können bei Reflux sehr wirksam sein.
Werden solche Medikamente jedoch über längere Zeit benötigt, sollte die Ursache der Beschwerden geklärt und die Behandlung regelmäßig überprüft werden.
Eine langfristige Einnahme sollte nicht allein deshalb erfolgen, weil ein Präparat bereits seit Jahren verwendet wird.
Magenschleimhautentzündung – Gastritis
Eine Gastritis ist eine Entzündung der Magenschleimhaut.
Sie kann akut auftreten oder chronisch verlaufen.
Mögliche Beschwerden sind:
- Schmerzen oder Druck im Oberbauch,
- Völlegefühl,
- Übelkeit,
- Appetitlosigkeit,
- Aufstoßen.
Manche Menschen mit chronischer Gastritis haben jedoch kaum Beschwerden.
Helicobacter pylori
Eine wichtige Ursache chronischer Magenschleimhautentzündungen ist das Bakterium Helicobacter pylori.
Die Infektion kann auch die Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren begünstigen.
Wird eine behandlungsbedürftige Helicobacter-pylori-Infektion festgestellt, erfolgt eine gezielte Kombinationstherapie mit säurehemmenden Medikamenten und Antibiotika.
Eine solche Behandlung gehört in ärztliche Hände.
Schmerzmittel als Ursache von Magenproblemen
Auch entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR können die Magenschleimhaut schädigen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Ibuprofen,
- Diclofenac,
- Naproxen.
Das Risiko kann insbesondere bei höherer Dosierung, längerer Anwendung, höherem Lebensalter oder bestimmten Begleiterkrankungen steigen.
Wer solche Medikamente regelmäßig benötigt und Magenbeschwerden entwickelt, sollte dies ärztlich oder pharmazeutisch abklären lassen.
Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür
Ein Ulkus ist eine tiefergehende Schädigung der Schleimhaut von Magen oder Zwölffingerdarm.
Häufige Ursachen sind ebenfalls eine Helicobacter-pylori-Infektion oder die regelmäßige Einnahme bestimmter entzündungshemmender Schmerzmittel.
Beschwerden können unspezifisch sein und beispielsweise aus Oberbauchschmerzen, Völlegefühl, Übelkeit oder Appetitlosigkeit bestehen.
Manche Geschwüre bleiben zunächst sogar unbemerkt.
Blutungen aus Magen oder Darm
Ein Geschwür kann bluten.
Warnzeichen sind beispielsweise:
- schwarzer, teerartiger Stuhl,
- Bluterbrechen,
- Erbrechen von dunklem, kaffeesatzähnlichem Material,
- Kreislaufprobleme oder starke Schwäche.
Solche Beschwerden müssen sofort medizinisch abgeklärt werden.
Akute Magen-Darm-Infektion
Akuter Durchfall und Erbrechen werden häufig durch Magen-Darm-Infektionen ausgelöst.
Besonders häufig sind Virusinfektionen, beispielsweise durch Noroviren. Auch Bakterien wie Campylobacter oder Salmonellen können Gastroenteritiden verursachen.
Mögliche Beschwerden sind:
- plötzlich einsetzender Durchfall,
- Erbrechen,
- Bauchkrämpfe,
- Übelkeit,
- Fieber,
- allgemeines Krankheitsgefühl.
Durchfall
Medizinisch spricht man von Durchfall, wenn innerhalb von 24 Stunden mindestens dreimal sehr weicher oder flüssiger Stuhl auftritt.
Akute Durchfallerkrankungen klingen häufig innerhalb weniger Tage wieder ab.
Entscheidend ist vor allem, verlorene Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen.
Elektrolytlösungen
Bei stärkerem Durchfall können orale Rehydratationslösungen sinnvoll sein.
Sie enthalten Glukose und Elektrolyte in einer abgestimmten Zusammensetzung und helfen dabei, Wasser und Salze wieder aufzunehmen.
Das ist besonders wichtig bei:
- Kindern,
- älteren Menschen,
- starkem Durchfall,
- gleichzeitigem Erbrechen.
Wann muss Durchfall untersucht werden?
Ärztlicher Rat ist insbesondere sinnvoll bei:
- Blut im Stuhl,
- schwarzem Stuhl,
- hohem Fieber,
- starken Bauchschmerzen,
- Kreislaufproblemen,
- Zeichen einer Austrocknung,
- über längere Zeit anhaltendem Durchfall.
Bei kleinen Kindern und älteren Menschen kann Flüssigkeitsverlust schneller problematisch werden.
Durchfall nach Antibiotika
Antibiotika können die Zusammensetzung der Darmflora verändern und dadurch Durchfall verursachen.
Leichter Durchfall während einer Antibiotikatherapie ist nicht ungewöhnlich.
Starker, länger anhaltender oder blutiger Durchfall sollte jedoch ärztlich beurteilt werden, da in bestimmten Situationen eine antibiotikaassoziierte Darmentzündung vorliegen kann.
Ein verordnetes Antibiotikum sollte nicht allein aufgrund leichter Beschwerden eigenständig abgesetzt werden.
Verstopfung
Verstopfung kann sich unter anderem durch seltenen, harten oder schwer entleerbaren Stuhl bemerkbar machen.
Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen.
Mögliche Ursachen beziehungsweise Verstärker sind:
- zu geringe Flüssigkeitszufuhr,
- ballaststoffarme Ernährung,
- Bewegungsmangel,
- Veränderungen des Alltags oder Reisen,
- bestimmte Medikamente,
- verschiedene Erkrankungen.
Was kann bei Verstopfung helfen?
Bei unkomplizierter Verstopfung können zunächst sinnvoll sein:
- ausreichendes Trinken,
- regelmäßige körperliche Bewegung,
- eine ballaststoffreiche Ernährung,
- gegebenenfalls geeignete Quellstoffe wie Flohsamenschalen.
Bei Quellstoffen ist ausreichend Flüssigkeit besonders wichtig.
Reichen solche Maßnahmen nicht aus, stehen verschiedene Abführmittel zur Verfügung.
Welches Präparat sinnvoll ist, hängt unter anderem von Dauer, Ursache, Alter und Begleitmedikation ab.
Reizdarmsyndrom
Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist eine chronische funktionelle Erkrankung des Darms.
Typisch sind:
- wiederkehrende Bauchschmerzen,
- Blähungen,
- Durchfall,
- Verstopfung,
- oder ein Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung.
Das Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich, kann die Lebensqualität aber deutlich beeinträchtigen.
Reizdarm ist eine Diagnose – keine Vermutung
Wiederkehrende Bauchbeschwerden sollten nicht allein aufgrund eines Internettests als Reizdarm bezeichnet werden.
Vor der Diagnose müssen je nach Beschwerden andere Erkrankungen berücksichtigt beziehungsweise ausgeschlossen werden.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Zöliakie,
- Laktoseintoleranz,
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen,
- Divertikulitis,
- andere organische Erkrankungen.
Was hilft bei Reizdarm?
Eine einzige Behandlung, die allen Betroffenen hilft, gibt es nicht.
Je nach vorherrschenden Beschwerden können beispielsweise infrage kommen:
- Anpassung der Ernährung,
- lösliche Ballaststoffe,
- krampflösende Medikamente,
- Medikamente gegen Durchfall oder Verstopfung,
- bei ausgewählten Betroffenen Pfefferminzöl,
- bestimmte psychologische Verfahren.
Extreme Ausschlussdiäten sollten nicht ohne konkreten Grund dauerhaft durchgeführt werden.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) gehören insbesondere:
- Morbus Crohn,
- Colitis ulcerosa.
Es handelt sich um chronische Erkrankungen, bei denen Entzündungen im Verdauungstrakt auftreten.
Die Erkrankungen verlaufen häufig in Schüben: Phasen mit stärkeren Beschwerden wechseln sich mit Zeiten ab, in denen die Entzündung wenig oder gar keine Symptome verursacht.
Morbus Crohn
Beim Morbus Crohn können Entzündungen grundsätzlich in unterschiedlichen Bereichen des Verdauungstraktes auftreten.
Besonders häufig betroffen ist der Übergang vom Dünn- zum Dickdarm.
Mögliche Beschwerden sind:
- länger anhaltender Durchfall,
- Bauchschmerzen,
- Gewichtsverlust,
- Fatigue und Erschöpfung,
- Fieber während stärkerer Entzündungsschübe.
Je nach Erkrankungsverlauf stehen entzündungshemmende und immunmodulierende Medikamente sowie in bestimmten Situationen operative Behandlungen zur Verfügung.
Colitis ulcerosa
Die Colitis ulcerosa betrifft den Dickdarm. Die Entzündung beginnt typischerweise im Enddarm und kann sich weiter im Dickdarm ausbreiten.
Typische Beschwerden während eines Schubs sind:
- häufiger Stuhldrang,
- Bauchschmerzen und Krämpfe,
- schleimiger oder blutiger Durchfall.
Bei einem schweren Schub können zusätzlich Fieber, Blutarmut, hoher Puls und ein deutlich reduzierter Allgemeinzustand auftreten.
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen gehören in gastroenterologische Behandlung und sollten nicht allein mit rezeptfreien Durchfall- oder Schmerzmitteln behandelt werden.
Divertikel und Divertikulitis
Divertikel sind Ausstülpungen der Darmwand, die besonders im Dickdarm auftreten können.
Viele Menschen haben Divertikel, ohne Beschwerden zu bemerken.
Entzünden sich solche Ausstülpungen, spricht man von einer Divertikulitis.
Mögliche Beschwerden sind:
- neu auftretende Bauchschmerzen, häufig links im Unterbauch,
- Fieber,
- veränderter Stuhlgang,
- ausgeprägtes Krankheitsgefühl.
Bei entsprechenden Beschwerden ist eine medizinische Untersuchung sinnvoll, da schwere Entzündungen Komplikationen verursachen können.
Blähungen
Darmgase entstehen bei jedem Menschen im Rahmen der Verdauung.
Gelegentliche Blähungen sind daher normalerweise kein Krankheitszeichen.
Sie können jedoch beispielsweise verstärkt auftreten durch:
- bestimmte Lebensmittel,
- große Mahlzeiten,
- schnelles Essen und Luftschlucken,
- Verstopfung,
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten,
- Reizdarmsyndrom.
Neu aufgetretene starke Blähungen zusammen mit Schmerzen, Gewichtsverlust oder Veränderungen des Stuhlgangs sollten abgeklärt werden.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten
Verdauungsbeschwerden werden häufig vorschnell einer „Unverträglichkeit“ zugeschrieben.
Tatsächlich können beispielsweise eine Laktoseintoleranz oder andere Nahrungsmittelunverträglichkeiten Beschwerden verursachen.
Eine dauerhafte starke Einschränkung der Ernährung sollte jedoch möglichst erst nach sinnvoller Diagnostik erfolgen.
Zöliakie
Die Zöliakie ist keine einfache Lebensmittelunverträglichkeit, sondern eine durch Gluten ausgelöste Immunreaktion, bei der die Dünndarmschleimhaut geschädigt werden kann.
Beschwerden können sehr unterschiedlich sein.
Möglich sind beispielsweise:
- Durchfall,
- Blähungen,
- Bauchschmerzen,
- Gewichtsverlust,
- Nährstoffmangel,
- oder auch Beschwerden außerhalb des Darms.
Wichtig: Wer den Verdacht auf Zöliakie hat, sollte nicht bereits vor der Diagnostik vollständig auf Gluten verzichten, da dies Untersuchungsergebnisse beeinflussen kann.
Bauchschmerzen
Bauchschmerzen können von Magen oder Darm ausgehen, aber auch zahlreiche andere Ursachen haben.
Möglich sind beispielsweise Erkrankungen von:
- Gallenblase und Gallenwegen,
- Bauchspeicheldrüse,
- Nieren und Harnwegen,
- weiblichen Geschlechtsorganen,
- Gefäßen.
Deshalb sollte die Lokalisation eines Schmerzes nicht automatisch mit einem bestimmten Organ gleichgesetzt werden.
Informationen zu Beschwerden der Nieren und Harnwege finden Sie unter Nieren und Harnwege .
Blinddarmentzündung
Eine Appendizitis kann zunächst mit eher unspezifischen Bauchschmerzen beginnen.
Typischerweise können sich die Schmerzen im Verlauf verstärken und in den rechten Unterbauch verlagern.
Übelkeit, Erbrechen und Fieber können hinzukommen.
Eine mögliche Blinddarmentzündung sollte nicht zu Hause durch Drucktests oder andere Selbstuntersuchungen „diagnostiziert“ werden.
Bei zunehmenden oder starken Bauchschmerzen ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.
Medikamente können Magen-Darm-Beschwerden auslösen
Verdauungsbeschwerden können Nebenwirkungen von Arzneimitteln sein.
Beispiele sind:
- bestimmte Antibiotika,
- Metformin,
- GLP-1-basierte Medikamente,
- Magnesiumpräparate,
- Eisenpräparate,
- Opioid-Schmerzmittel,
- entzündungshemmende Schmerzmittel.
Je nach Wirkstoff können Durchfall, Übelkeit, Völlegefühl, Verstopfung oder Magenschmerzen auftreten.
Wenn Beschwerden nach Beginn oder Dosiserhöhung eines Arzneimittels auftreten, lohnt sich eine Prüfung der Medikation.
Arzneimittel sollten jedoch nicht ohne Rücksprache eigenständig abgesetzt werden.
Magen-Darm-Beschwerden bei Diabetesmedikamenten
Einige Medikamente gegen Diabetes können besonders zu Beginn der Behandlung Magen-Darm-Beschwerden verursachen.
Dazu gehören beispielsweise Metformin und bestimmte GLP-1-basierte Arzneimittel.
Informationen zu Stoffwechsel und Diabetes finden Sie unter Stoffwechsel sowie in unserer Kategorie Diabetiker.
Probiotika und „Darmflora“
Die Mikroorganismen im Darm spielen für zahlreiche Vorgänge im Körper eine wichtige Rolle.
Daraus folgt jedoch nicht, dass jedes beworbene Probiotikum automatisch einen gesundheitlichen Nutzen hat.
Für einige konkrete Erkrankungen gibt es wissenschaftliche Untersuchungen zu bestimmten Bakterienstämmen. Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht pauschal auf sämtliche Produkte übertragen.
Aussagen wie „Darmflora komplett aufbauen“, „Darm entgiften“ oder „Darm sanieren“ sollten deshalb kritisch betrachtet werden.
Keine medizinisch unbegründeten Darmreinigungen
Für sogenannte Detox-Darmreinigungen, regelmäßige Einläufe oder andere aggressive „Entgiftungsverfahren“ gibt es bei gesunden Menschen normalerweise keinen medizinischen Grund.
Solche Maßnahmen können im Gegenteil unerwünschte Wirkungen verursachen.
Eine Darmreinigung ist sinnvoll, wenn sie medizinisch notwendig ist, beispielsweise als Vorbereitung auf eine Darmspiegelung.
Ernährung und Darmgesundheit
Eine allgemein darmfreundliche Ernährung muss keine komplizierte Spezialdiät sein.
Für viele Menschen sind sinnvoll:
- ausreichend Gemüse und Obst,
- Vollkornprodukte,
- Hülsenfrüchte, sofern verträglich,
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr,
- regelmäßige Bewegung.
Ballaststoffe können insbesondere die Darmbewegung und Stuhlkonsistenz positiv beeinflussen.
Bei bestimmten Erkrankungen oder akuten Beschwerden können jedoch individuelle Anpassungen notwendig sein.
Wann ist eine spezielle Diät sinnvoll?
Spezielle Ausschlussdiäten sind nur bei einer nachvollziehbaren medizinischen Fragestellung sinnvoll.
Wer immer mehr Lebensmittel weglässt, riskiert eine einseitige Ernährung und möglicherweise Nährstoffmängel.
Bei komplexen Beschwerden kann eine qualifizierte ernährungsmedizinische oder ernährungstherapeutische Beratung sinnvoll sein.
Darmkrebs und Früherkennung
Darmkrebs entwickelt sich häufig über Jahre aus zunächst gutartigen Vorstufen wie bestimmten Darmpolypen.
Gerade deshalb spielt die Früherkennung eine besondere Rolle: Bei einer Darmspiegelung können bestimmte Krebsvorstufen entdeckt und teilweise direkt entfernt werden.
Darmkrebs-Früherkennung ab 50 Jahren
Nach dem aktuellen gesetzlichen Früherkennungsprogramm können Frauen und Männer ab 50 Jahren eine Vorsorgekoloskopie in Anspruch nehmen.
Ist die erste Darmspiegelung unauffällig, kann sie normalerweise nach zehn Jahren wiederholt werden.
Wer keine Darmspiegelung wahrnehmen möchte, kann alternativ einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl durchführen lassen.
Bei unauffälligem Ergebnis wird dieser Test aktuell alle zwei Jahre angeboten.
Beschwerden sind keine Vorsorge
Wer Blut im Stuhl oder andere auffällige Beschwerden bemerkt, sollte nicht bis zur nächsten Vorsorgeuntersuchung warten.
In diesem Fall geht es nicht mehr um Früherkennung bei Beschwerdefreiheit, sondern um die Abklärung eines vorhandenen Symptoms.
Familiäres Darmkrebsrisiko
Menschen mit Darmkrebsfällen bei nahen Verwandten können ein erhöhtes beziehungsweise früher auftretendes Erkrankungsrisiko haben.
Ob und wann eine frühere Darmspiegelung sinnvoll ist, sollte individuell ärztlich geklärt werden.
Welche Untersuchungen gibt es bei Magen-Darm-Beschwerden?
Welche Diagnostik notwendig ist, hängt von den Beschwerden ab.
Mögliche Untersuchungen sind beispielsweise:
- körperliche Untersuchung des Bauches,
- Blutuntersuchungen,
- Stuhluntersuchungen,
- Ultraschall,
- Atemtests bei bestimmten Unverträglichkeiten,
- Magenspiegelung,
- Darmspiegelung.
Nicht jede Person mit Bauchschmerzen benötigt automatisch eine Magen- oder Darmspiegelung.
Die Auswahl sollte sich nach Beschwerden, Alter, Risikofaktoren und bisherigen Untersuchungsergebnissen richten.
Wann sollte man mit Magen-Darm-Beschwerden zum Arzt?
Eine medizinische Abklärung ist insbesondere sinnvoll bei:
- Blut im Stuhl,
- schwarzem Stuhl,
- ungeklärtem Gewichtsverlust,
- anhaltendem Fieber,
- starken oder zunehmenden Bauchschmerzen,
- anhaltendem Erbrechen,
- Schluckbeschwerden,
- neu auftretenden ausgeprägten Beschwerden,
- Durchfall oder Verstopfung über längere Zeit,
- deutlicher Veränderung bisheriger Stuhlgewohnheiten.
Wann sind Bauchschmerzen ein Notfall?
Starke akute Bauchschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben und müssen manchmal sehr schnell behandelt werden.
Sofortige medizinische Hilfe ist insbesondere erforderlich bei:
- plötzlich einsetzenden sehr starken Bauchschmerzen,
- hartem beziehungsweise stark angespanntem Bauch,
- starker Blutung aus dem Magen-Darm-Trakt,
- Bluterbrechen,
- Bewusstlosigkeit oder schweren Kreislaufproblemen,
- starken Schmerzen zusammen mit schwerem Allgemeinzustand.
Bei einer akut lebensbedrohlichen Situation gilt der Notruf 112.
Selbstmedikation: Wo liegen die Grenzen?
Bei leichten und kurzfristigen Beschwerden kann eine Selbstmedikation sinnvoll sein.
Je nach Situation kommen beispielsweise infrage:
- Antazida oder säurehemmende Medikamente bei gelegentlichem Sodbrennen,
- Elektrolytlösungen bei Durchfall,
- geeignete Abführmittel bei unkomplizierter Verstopfung,
- krampflösende oder entschäumende Präparate bei ausgewählten Beschwerden.
Die Selbstmedikation sollte jedoch nicht dazu führen, dass Warnzeichen über Wochen mit unterschiedlichen Präparaten verdeckt werden.
Kapellen-Apotheke: Beratung bei Magen und Darm
In der Kapellen-Apotheke in Mömbris unterstützen wir Sie bei der Auswahl und sicheren Anwendung geeigneter Arzneimittel.
Wir beraten beispielsweise zu:
- Sodbrennen und säurehemmenden Medikamenten,
- Durchfall und Elektrolytlösungen,
- Verstopfung und Abführmitteln,
- Blähungen und Bauchkrämpfen,
- möglichen Magen-Darm-Nebenwirkungen Ihrer Medikamente,
- Wechselwirkungen mehrerer Arzneimittel.
Verantwortungsvolle Beratung bedeutet für uns auch, bei ungewöhnlichen oder länger anhaltenden Beschwerden von einer weiteren Selbstbehandlung abzuraten und eine ärztliche Abklärung zu empfehlen.
Häufige Fragen zu Magen und Darm
Wann ist Sodbrennen nicht mehr normal?
Gelegentliches Sodbrennen kommt häufig vor. Treten die Beschwerden jedoch regelmäßig, sehr stark oder zusammen mit Schluckproblemen auf, sollte eine Refluxkrankheit beziehungsweise eine andere Ursache medizinisch abgeklärt werden.
Was ist die häufigste Ursache einer Gastritis?
Zu den wichtigsten Ursachen gehören eine Infektion mit Helicobacter pylori sowie die regelmäßige Einnahme bestimmter entzündungshemmender Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac.
Wie lange darf Durchfall dauern?
Akuter infektiöser Durchfall dauert häufig nur wenige Tage. Bei Blut im Stuhl, hohem Fieber, starken Schmerzen, Kreislaufproblemen oder länger anhaltenden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Ist Reizdarm gefährlich?
Ein diagnostiziertes Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich, kann aber die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Wichtig ist, dass relevante andere Erkrankungen als Ursache der Beschwerden berücksichtigt wurden.
Was ist der Unterschied zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?
Bei Colitis ulcerosa ist der Dickdarm entzündet. Beim Morbus Crohn können dagegen unterschiedliche Abschnitte des Magen-Darm-Traktes betroffen sein.
Ist Blut im Stuhl immer Darmkrebs?
Nein. Blut im Stuhl kann viele unterschiedliche Ursachen haben. Es sollte jedoch grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden, da neben harmloseren Ursachen auch behandlungsbedürftige Erkrankungen dahinterstecken können.
Ab welchem Alter wird Darmkrebs-Früherkennung angeboten?
Nach dem aktuellen gesetzlichen Programm können Frauen und Männer ab 50 Jahren eine Vorsorge-Darmspiegelung in Anspruch nehmen. Alternativ wird bei Verzicht auf die Koloskopie ein Test auf verborgenes Blut im Stuhl angeboten.
Sind Probiotika immer gut für den Darm?
Nein. Die Wirkung hängt unter anderem von Erkrankung, Produkt und verwendetem Bakterienstamm ab. Aussagen zur Wirkung eines bestimmten Probiotikums lassen sich nicht pauschal auf alle Produkte übertragen.
Braucht man regelmäßig eine „Darmreinigung“?
Nein. Für regelmäßige Darmreinigungen oder Detox-Kuren gibt es bei gesunden Menschen normalerweise keinen medizinischen Grund. Eine Darmreinigung wird beispielsweise gezielt zur Vorbereitung einer Darmspiegelung durchgeführt.
Verlässliche medizinische Informationen
Bei unseren Informationen zu Magen-Darm-Erkrankungen orientieren wir uns bevorzugt an aktuellen medizinischen Leitlinien sowie offiziellen und unabhängigen Gesundheitsinformationen.
- gesund.bund.de – Verdauung und Stoffwechsel
- gesund.bund.de – Gastritis
- gesund.bund.de – Reizdarmsyndrom
- gesund.bund.de – Durchfall
- gesund.bund.de – Colitis ulcerosa
- Gesundheitsinformation.de – Morbus Crohn
- gesund.bund.de – Darmkrebs und Früherkennung
Bei Fragen zu einem Arzneimittel oder dessen Verfügbarkeit können Sie auch unsere Kontaktseite nutzen.
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen gesundheitlichen Orientierung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Behandlung. Blut im Stuhl, starke oder zunehmende Bauchschmerzen, ungeklärter Gewichtsverlust und andere Warnzeichen sollten frühzeitig medizinisch abgeklärt werden.
