Stoffwechsel: Erkrankungen, Symptome & Behandlung

Stoffwechsel

Unter Stoffwechsel versteht man die Vielzahl chemischer Vorgänge, mit denen der Körper Nährstoffe aufnimmt, verarbeitet, speichert und zur Energiegewinnung nutzt. Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße werden dabei ständig umgebaut und an den jeweiligen Bedarf des Körpers angepasst.

Hormone wie Insulin oder Schilddrüsenhormone steuern viele dieser Prozesse. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, können Stoffwechselerkrankungen entstehen. Dazu gehören beispielsweise Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, das metabolische Syndrom, Schilddrüsenerkrankungen und Gicht.

Was ist der Stoffwechsel?

Unser Körper benötigt rund um die Uhr Energie – nicht nur bei Bewegung, sondern auch für Herzschlag, Atmung, Gehirnfunktion, Verdauung, Temperaturregulation und Reparaturprozesse.

Die dafür benötigten Stoffe nimmt der Körper hauptsächlich über die Nahrung auf. Im Verdauungssystem werden Nährstoffe zerlegt und anschließend über das Blut zu den verschiedenen Organen und Geweben transportiert.

Dort werden sie entweder:

  • direkt zur Energiegewinnung genutzt,
  • in körpereigene Stoffe umgebaut,
  • für später gespeichert oder
  • nach ihrer Verarbeitung ausgeschieden.

Besonders wichtig sind dabei der Zuckerstoffwechsel, Fettstoffwechsel, Eiweißstoffwechsel und Mineralstoffwechsel.

Welche Organe steuern den Stoffwechsel?

Der Stoffwechsel findet grundsätzlich in nahezu allen Körperzellen statt. Einige Organe übernehmen jedoch besonders wichtige Aufgaben.

  • Leber: verarbeitet und speichert Nährstoffe und spielt eine zentrale Rolle im Zucker- und Fettstoffwechsel.
  • Bauchspeicheldrüse: bildet unter anderem Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel regulieren.
  • Schilddrüse: produziert Hormone, die unter anderem Energieverbrauch und Stoffwechselgeschwindigkeit beeinflussen.
  • Nieren: regulieren Wasser, Elektrolyte und die Ausscheidung zahlreicher Stoffwechselprodukte.
  • Muskulatur und Fettgewebe: speichern beziehungsweise verbrauchen große Mengen an Energie.

Weitere Informationen zur Funktion der Nieren finden Sie in unserem Bereich Nieren und Harnwege.

Welche Stoffwechselerkrankungen gibt es?

Stoffwechselerkrankungen können sehr unterschiedliche Ursachen und Auswirkungen haben. Manche sind genetisch bedingt, andere entwickeln sich im Laufe des Lebens.

Zu häufigen beziehungsweise wichtigen Erkrankungen gehören:

  • Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2,
  • Insulinresistenz,
  • metabolisches Syndrom,
  • Fettstoffwechselstörungen,
  • Übergewicht und Adipositas,
  • Schilddrüsenunterfunktion und Schilddrüsenüberfunktion,
  • Gicht und erhöhte Harnsäurewerte,
  • bestimmte Formen der Fettleber.

Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes mellitus Typ 2 gehört zu den bekanntesten Stoffwechselerkrankungen. Dabei reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf das Hormon Insulin.

Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und sorgt dafür, dass Glukose aus dem Blut in die Körperzellen aufgenommen werden kann. Bei einer Insulinresistenz funktioniert dieser Mechanismus zunehmend schlechter.

Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel an. Zu Beginn kann Typ-2-Diabetes über längere Zeit nahezu unbemerkt bleiben.

Welche Symptome kann Diabetes Typ 2 verursachen?

Mögliche Beschwerden sind:

  • verstärkter Durst,
  • häufiges Wasserlassen,
  • Müdigkeit und Leistungsschwäche,
  • Schwindel,
  • schlechtere Wundheilung,
  • häufigere Infektionen.

Diese Symptome treten jedoch nicht bei allen Betroffenen auf. Deshalb wird Typ-2-Diabetes teilweise erst bei einer Blutuntersuchung festgestellt.

Ausführlichere Informationen und entsprechende Produkte finden Sie auch in unserer Kategorie Diabetiker.

Wie wird Typ-2-Diabetes behandelt?

Welche Behandlung notwendig ist, hängt unter anderem von Blutzuckerwerten, Alter, Begleiterkrankungen und individuellen Risikofaktoren ab.

Eine wichtige Grundlage bilden häufig:

  • eine ausgewogene Ernährung,
  • regelmäßige körperliche Bewegung,
  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht,
  • Rauchstopp,
  • Kontrolle von Blutdruck und Blutfetten.

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können Medikamente eingesetzt werden. Zu den etablierten Wirkstoffen gehört beispielsweise Metformin.

Was ist Insulinresistenz?

Bei einer Insulinresistenz reagieren Muskel-, Leber- und Fettzellen weniger empfindlich auf Insulin. Die Bauchspeicheldrüse versucht zunächst, dies durch eine erhöhte Insulinproduktion auszugleichen.

Über längere Zeit kann dieser Mechanismus jedoch an seine Grenzen kommen. Der Blutzuckerspiegel steigt dann zunehmend an und es kann sich ein Typ-2-Diabetes entwickeln.

Insulinresistenz steht außerdem häufig in Zusammenhang mit Übergewicht, insbesondere mit vermehrtem Fettgewebe im Bauchbereich.

Metabolisches Syndrom

Als metabolisches Syndrom bezeichnet man das gemeinsame Auftreten mehrerer Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren.

Dazu gehören typischerweise:

  • bauchbetontes Übergewicht,
  • erhöhter Blutdruck,
  • erhöhte Blutzuckerwerte,
  • erhöhte Triglyzeride,
  • niedrige HDL-Cholesterinwerte.

Diese Kombination erhöht unter anderem das Risiko für Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weitere Folgeerkrankungen.

Deshalb sollten nicht nur einzelne Laborwerte betrachtet werden. Entscheidend ist häufig das gesamte Risikoprofil.

Mehr zum Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und Kreislauf erfahren Sie unter Herz, Gefäße und Kreislauf .

Fettstoffwechselstörungen und Cholesterin

Fette sind für den Körper unverzichtbar. Sie dienen unter anderem als Energiereserve und Bestandteil von Zellmembranen und Hormonen.

Werden bestimmte Blutfette jedoch dauerhaft in ungünstigen Konzentrationen gemessen, spricht man von einer Fettstoffwechselstörung.

Besonders bekannt sind:

  • LDL-Cholesterin,
  • HDL-Cholesterin,
  • Triglyzeride.

Ein dauerhaft erhöhtes LDL-Cholesterin kann zur Entstehung von Ablagerungen in den Blutgefäßen beitragen und damit langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.

Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt nicht nur vom Cholesterinwert selbst, sondern auch von weiteren Risikofaktoren ab.

Schilddrüse und Stoffwechsel

Die Schilddrüse bildet Hormone, die zahlreiche Körperfunktionen beeinflussen. Dazu gehören Herzschlag, Wärmeproduktion, Darmtätigkeit, Nervensystem und Energieverbrauch.

Schilddrüsenunterfunktion

Produziert die Schilddrüse zu wenige Hormone, verlangsamen sich verschiedene Stoffwechselprozesse.

Mögliche Beschwerden sind:

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit,
  • Gewichtszunahme,
  • Frieren,
  • Verstopfung,
  • trockene Haut,
  • verlangsamter Herzschlag.

Schilddrüsenüberfunktion

Bei einer Überfunktion werden zu viele Schilddrüsenhormone gebildet. Der Stoffwechsel läuft dadurch beschleunigt ab.

Mögliche Beschwerden sind:

  • Gewichtsverlust trotz normalem oder erhöhtem Appetit,
  • Schwitzen und Wärmeempfindlichkeit,
  • Herzrasen,
  • innere Unruhe,
  • Zittern,
  • häufigerer Stuhlgang oder Durchfall.

Diese Symptome sind nicht spezifisch für Schilddrüsenerkrankungen. Eine Diagnose erfolgt unter anderem anhand von Blutwerten.

Gicht und Harnsäure

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der erhöhte Harnsäurewerte zur Bildung von Harnsäurekristallen führen können. Diese Kristalle können sich insbesondere in Gelenken ablagern und dort Entzündungen verursachen.

Ein akuter Gichtanfall beginnt häufig plötzlich mit:

  • starken Gelenkschmerzen,
  • Schwellung,
  • Rötung,
  • Überwärmung des betroffenen Gelenks.

Besonders häufig ist das Grundgelenk der großen Zehe betroffen, grundsätzlich kann Gicht jedoch auch andere Gelenke betreffen.

Dauerhaft erhöhte Harnsäurewerte können außerdem die Entstehung bestimmter Nierensteine begünstigen.

Fettleber und Stoffwechsel

Auch die Leber steht in engem Zusammenhang mit dem Stoffwechsel. Bei einer metabolisch bedingten Fettleber lagert sich vermehrt Fett in Leberzellen ein.

Häufig bestehen gleichzeitig Risikofaktoren wie:

  • Übergewicht,
  • Typ-2-Diabetes,
  • Insulinresistenz,
  • Fettstoffwechselstörungen,
  • Bluthochdruck.

Eine Fettleber verursacht zunächst häufig keine eindeutigen Beschwerden und wird deshalb teilweise zufällig bei Labor- oder Ultraschalluntersuchungen entdeckt.

Welche Blutwerte sind für den Stoffwechsel wichtig?

Je nach Fragestellung können unterschiedliche Laborwerte untersucht werden. Häufig relevant sind beispielsweise:

  • Nüchternblutzucker,
  • HbA1c,
  • LDL- und HDL-Cholesterin,
  • Triglyzeride,
  • Harnsäure,
  • TSH und weitere Schilddrüsenwerte,
  • Leberwerte,
  • Nierenwerte.

Einzelne Laborwerte sollten jedoch immer im Zusammenhang mit Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und weiteren Untersuchungen beurteilt werden.

Erklärungen zu zahlreichen medizinischen Werten finden Sie außerdem in unserem Laborwerte A–Z.

Stoffwechsel und Körpergewicht

Körpergewicht wird häufig vereinfacht mit einem „schnellen“ oder „langsamen“ Stoffwechsel erklärt. Tatsächlich wird es jedoch durch zahlreiche Faktoren beeinflusst.

Dazu gehören unter anderem:

  • Energieaufnahme über die Nahrung,
  • körperliche Aktivität,
  • Muskelmasse,
  • Alter,
  • genetische Faktoren,
  • Schlaf,
  • Hormone,
  • bestimmte Erkrankungen und Medikamente.

Eine unerklärliche deutliche Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme sollte deshalb nicht automatisch einem vermeintlich schlechten Stoffwechsel zugeschrieben werden.

Wie kann man den Stoffwechsel unterstützen?

Einen gesunden Stoffwechsel fördert man vor allem durch Maßnahmen, die auch das Herz-Kreislauf-System und die allgemeine Gesundheit unterstützen.

Dazu gehören:

  • regelmäßige körperliche Bewegung,
  • eine ausgewogene und ballaststoffreiche Ernährung,
  • ein gesundes Körpergewicht beziehungsweise Gewichtsreduktion bei Übergewicht,
  • ausreichender Schlaf,
  • Rauchverzicht,
  • regelmäßige Kontrollen bei bekannten Risikofaktoren.

Spezielle „Detox“-Produkte oder angebliche Stoffwechsel-Booster sind für einen funktionierenden Stoffwechsel grundsätzlich nicht notwendig.

Medikamente und Stoffwechsel

Medikamente können Stoffwechselvorgänge gezielt beeinflussen und werden deshalb zur Behandlung vieler Erkrankungen eingesetzt.

Gleichzeitig können einige Arzneimittel Blutzucker, Gewicht, Elektrolyte oder andere Stoffwechselparameter beeinflussen.

Treten nach Beginn einer neuen Therapie auffällige Veränderungen auf, sollte das Medikament nicht eigenständig abgesetzt werden. Arzt oder Apotheke können prüfen, ob ein Zusammenhang bestehen könnte.

Wann sollte man Stoffwechselwerte überprüfen lassen?

Eine Untersuchung kann insbesondere sinnvoll sein bei:

  • starkem oder ungewohntem Durst,
  • häufigem Wasserlassen,
  • ungeklärter Gewichtsabnahme oder Gewichtszunahme,
  • anhaltender Müdigkeit,
  • auffälligem Blutdruck,
  • bekanntem Übergewicht oder metabolischem Syndrom,
  • familiärer Belastung mit Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen.

Viele Stoffwechselerkrankungen entwickeln sich über längere Zeit und verursachen zunächst nur wenige oder unspezifische Beschwerden. Kontrolluntersuchungen können deshalb helfen, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Häufige Fragen zum Stoffwechsel

Was versteht man unter Stoffwechsel?

Stoffwechsel bezeichnet die Gesamtheit der chemischen Vorgänge, mit denen der Körper Nährstoffe verarbeitet, Energie gewinnt, körpereigene Stoffe bildet und Abbauprodukte ausscheidet.

Was sind typische Stoffwechselerkrankungen?

Dazu gehören unter anderem Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, metabolisches Syndrom, Gicht sowie verschiedene hormonell bedingte Stoffwechselstörungen.

Ist Diabetes eine Stoffwechselerkrankung?

Ja. Bei Diabetes mellitus ist die Regulation des Blutzuckers gestört. Beim Typ-2-Diabetes reagieren die Körperzellen zunehmend schlechter auf Insulin.

Welche Rolle spielt die Schilddrüse für den Stoffwechsel?

Schilddrüsenhormone beeinflussen unter anderem Energieverbrauch, Körpertemperatur, Herzschlag, Darmtätigkeit und Nervensystem. Eine Über- oder Unterfunktion kann deshalb zahlreiche Beschwerden verursachen.

Was ist das metabolische Syndrom?

Beim metabolischen Syndrom treten mehrere Risikofaktoren gemeinsam auf, insbesondere bauchbetontes Übergewicht, Bluthochdruck sowie Störungen des Zucker- und Fettstoffwechsels.

Kann man seinen Stoffwechsel beschleunigen?

Der Energieverbrauch lässt sich beispielsweise durch körperliche Aktivität und Muskelmasse beeinflussen. Einen einfachen oder dauerhaft wirksamen „Stoffwechsel-Booster“ gibt es jedoch nicht.

Welche Blutwerte zeigen Stoffwechselstörungen?

Abhängig von der vermuteten Erkrankung werden beispielsweise Blutzucker, HbA1c, Cholesterin, Triglyzeride, Harnsäure, Schilddrüsenwerte sowie Leber- und Nierenwerte untersucht.

In der Kapellen-Apotheke in Mömbris beraten wir Sie gerne zu Arzneimitteln, deren korrekter Anwendung sowie möglichen Neben- und Wechselwirkungen.

Hinweis: Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen gesundheitlichen Orientierung und ersetzen keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Behandlung.