Grippesaison 2026/27: Für wen die Impfung besonders wichtig ist

Die Grippewelle ist noch nicht da – aber die Impfplanung beginnt jetzt. Anfang September 2026 ist die Influenza-Aktivität in Deutschland weiterhin sehr niedrig. Gerade für Menschen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf ist das ein guter Zeitpunkt, den eigenen Impfschutz für die kommende Saison 2026/27 zu prüfen.

Noch ist es ruhig – das wird nicht so bleiben

Der Blick auf die aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts zeigt Anfang September ein für die Jahreszeit ruhiges Bild. Akute Atemwegserkrankungen nehmen nach dem Ende der Sommerferien zwar langsam wieder zu, Influenzaviren werden bislang aber nur sporadisch nachgewiesen. Von einer Grippewelle kann derzeit keine Rede sein.

Genau darin liegt der Vorteil des jetzigen Zeitpunkts. Wer zur empfohlenen Impfgruppe gehört, muss nicht erst reagieren, wenn im Umfeld bereits viele Menschen krank sind. Die saisonale Influenza-Impfung wird bewusst vor beziehungsweise zu Beginn der typischen Grippesaison geplant.

Die vergangene Saison 2025/26 zeigt außerdem, wie stark sich die Lage im Laufe weniger Monate verändern kann: Die Grippewelle begann nach RKI-Definition bereits in der 48. Kalenderwoche 2025 und hielt bis zur 10. Kalenderwoche 2026 an. Im Februar dominierten Influenza-A-Viren, insbesondere A(H3N2).

Wer sollte jetzt besonders an die Grippeimpfung denken?

Die STIKO empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung nicht automatisch jedem Erwachsenen. Sie richtet sich vor allem an Menschen, bei denen eine Influenza häufiger schwer verlaufen oder bestehende Erkrankungen zusätzlich belasten kann.

  • Personen ab 60 Jahren
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen der Atemwege
  • Patientinnen und Patienten mit Herz- oder Kreislauferkrankungen
  • Menschen mit chronischen Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Personen mit Diabetes oder anderen relevanten Stoffwechselerkrankungen
  • Menschen mit bestimmten neurologischen Erkrankungen
  • Personen mit angeborener oder erworbener Immunschwäche
  • Schwangere ab dem zweiten Trimenon; bei zusätzlicher gesundheitlicher Gefährdung durch eine Grunderkrankung bereits ab dem ersten Trimenon
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeeinrichtungen
  • bestimmte Berufsgruppen mit erhöhtem Expositionsrisiko, insbesondere im medizinischen Bereich

Diese Gruppen nennt die STIKO ausdrücklich in ihrer Empfehlung zur saisonalen Influenza-Impfung. Wer unsicher ist, ob eine eigene Vorerkrankung darunter fällt, sollte die Entscheidung nicht allein anhand einer Diagnoseliste treffen, sondern die persönliche Situation medizinisch einordnen lassen.

Ab 60 Jahren gelten besondere Empfehlungen

Für Menschen ab 60 Jahren hat die STIKO die Empfehlung in den vergangenen Jahren präzisiert. Seit der Saison 2025/26 sollen Personen dieser Altersgruppe jährlich im Herbst entweder einen inaktivierten Hochdosis-Influenza-Impfstoff oder einen MF59-adjuvantierten Influenza-Impfstoff erhalten. Beide Varianten werden von der STIKO gleichwertig empfohlen.

Der Grund dafür ist die sogenannte Immunoseneszenz: Mit zunehmendem Alter reagiert das Immunsystem häufig weniger kräftig auf Impfstoffe. Die weiterentwickelten Impfstoffe sollen diese schwächere Immunantwort besser ausgleichen.

In der wissenschaftlichen Bewertung der STIKO zeigten sowohl der Hochdosis- als auch der MF59-adjuvantierte Impfstoff bei Menschen ab 60 Jahren eine geringfügig, aber statistisch signifikant bessere Wirksamkeit gegenüber konventionellen Standardimpfstoffen.

Weitere Informationen zu gesundheitlichen Veränderungen, Arzneimitteln und Vorsorge im höheren Lebensalter finden Sie in unserem Bereich Gesundheit im höheren Lebensalter.

Für Personen ab 60 Jahren geht es bei der Empfehlung nicht darum, welcher Impfstoff allgemein „stärker“ ist. Entscheidend ist, dass die STIKO für diese Altersgruppe gezielt wirkungsverstärkte Influenza-Impfstoffe empfiehlt.

Warum chronische Erkrankungen das Risiko verändern

Eine Influenza betrifft nicht nur Nase, Hals und Bronchien. Fieber, Flüssigkeitsverlust, Entzündungsreaktionen und die allgemeine Belastung des Körpers können bestehende Erkrankungen verschlechtern.

Bei chronischen Lungenerkrankungen kann eine Infektion beispielsweise die Atmung zusätzlich beeinträchtigen. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen können durch Fieber und Kreislaufbelastung stärker gefordert sein. Auch bei Diabetes oder eingeschränkter Nierenfunktion kann eine akute Erkrankung die bisher stabile Behandlung durcheinanderbringen.

Deshalb zählt bei der Impfentscheidung nicht allein das Alter. Ein 45-jähriger Patient mit schwerer chronischer Lungenerkrankung kann medizinisch deutlich stärker gefährdet sein als ein gesunder Gleichaltriger.

Informationen zu Diabetes und anderen Stoffwechselerkrankungen finden Sie in unserem Bereich Stoffwechsel und Diabetes.

Warum wird eigentlich jedes Jahr neu geimpft?

Diese Frage ist berechtigt: Viele Impfungen schützen über Jahre oder sogar Jahrzehnte. Bei Influenza funktioniert das anders.

Influenzaviren verändern sich kontinuierlich. Deshalb bewertet die Weltgesundheitsorganisation regelmäßig, welche Virusvarianten in der kommenden Saison voraussichtlich eine wichtige Rolle spielen werden. Die Zusammensetzung der Impfstoffe wird daran angepasst.

Für die Saison 2026/27 wurde die empfohlene Antigenkombination bereits festgelegt; Hinweise dazu finden sich auch in den RKI-Berichten zur Saison 2025/26. citeturn810908search24

Zusätzlich nimmt der individuelle Impfschutz im Laufe der Zeit ab. Eine Impfung aus dem letzten Winter gilt deshalb nicht einfach als Schutz für die nächste Saison.

Wann sollte man sich impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt die saisonale Impfung im Herbst. Dahinter steckt ein praktischer Gedanke: Nach der Impfung braucht das Immunsystem Zeit, um eine ausreichende Schutzwirkung aufzubauen, gleichzeitig sollte der Impftermin nicht unnötig weit vor die eigentliche Grippesaison gelegt werden.

Der genaue Beginn einer Grippewelle lässt sich allerdings nicht vorhersagen. In manchen Jahren startet sie früher, in anderen deutlich später. Deshalb gibt es keinen einzigen „perfekten“ Termin für alle Menschen.

Wer zur empfohlenen Gruppe gehört, sollte die Impfung aber auch nicht bis Januar aufschieben, nur weil im Oktober noch wenige Influenza-Fälle gemeldet werden.

Was bedeutet die Impfung – und was bedeutet sie nicht?

Eine Influenza-Impfung schützt gezielt vor saisonalen Influenzaviren. Sie verhindert nicht sämtliche Atemwegsinfektionen.

Das wird im Alltag häufig missverstanden. Wer im November geimpft wurde und im Dezember Schnupfen bekommt, hat nicht automatisch eine „Grippe trotz Impfung“. Hinter Erkältungsbeschwerden können Rhinoviren, RSV, SARS-CoV-2, Adenoviren oder andere Erreger stecken.

Auch Anfang September 2026 sieht man diesen Unterschied sehr deutlich: In den aktuellen RKI-Proben wurden hauptsächlich Rhinoviren und Parainfluenzaviren gefunden, während Influenza A(H3N2) bislang nur sporadisch nachgewiesen wurde. citeturn810908search1

Kann man trotz Grippeimpfung Influenza bekommen?

Ja. Kein Influenza-Impfstoff schützt zu 100 Prozent.

Wie gut die Schutzwirkung in einer Saison ausfällt, hängt unter anderem davon ab, wie gut die im Impfstoff enthaltenen Virusvarianten zu den später tatsächlich zirkulierenden Viren passen. Auch Alter und Immunantwort spielen eine Rolle.

Das bedeutet aber nicht, dass die Impfung nutzlos wäre, wenn trotzdem einzelne Erkrankungen auftreten. Ihr Ziel ist vor allem, die Influenza-assoziierte Krankheitslast zu reduzieren – besonders bei den Menschen, die häufiger schwere Verläufe entwickeln. Genau dieses Ziel nennt die STIKO auch ausdrücklich für die Empfehlung bei Personen ab 60 Jahren.

Was tun, wenn trotz Impfung Erkältungsbeschwerden auftreten?

Zunächst gilt das Gleiche wie bei jedem Atemwegsinfekt: Entscheidend sind die Art und die Stärke der Beschwerden.

Bei leichten Symptomen wie Schnupfen, Halskratzen oder unkompliziertem Husten steht häufig die Linderung der Beschwerden im Vordergrund. Dafür kommen je nach Alter, Vorerkrankungen und anderen Medikamenten verschiedene Mittel für die Erkältungszeit infrage.

Eine solche symptomatische Behandlung ist aber etwas völlig anderes als die Grippeimpfung. Sie lindert Beschwerden, schützt jedoch nicht vor einer Influenza-Infektion.

Kann die Grippeimpfung selbst eine Grippe verursachen?

Bei den für Erwachsene üblichen inaktivierten Influenza-Impfstoffen lautet die Antwort: nein. Sie können keine echte Influenza auslösen.

Nach der Impfung können trotzdem vorübergehend Beschwerden auftreten. Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf- oder Gliederschmerzen oder eine leicht erhöhte Temperatur sind mögliche Impfreaktionen.

Wer wenige Tage später zusätzlich Schnupfen oder Husten entwickelt, kann sich außerdem schlicht mit einem anderen Atemwegsvirus infiziert haben. Gerade im Herbst passieren Impfung und beginnende Erkältungssaison zeitlich häufig nebeneinander.

Welche Informationen sind vor der Impfung wichtig?

Bei einer unkomplizierten Dauermedikation ist eine Influenza-Impfung nicht automatisch problematisch. Trotzdem ist es sinnvoll, vor der Impfung relevante gesundheitliche Informationen vollständig anzugeben.

  • bestehende chronische Erkrankungen
  • regelmäßig eingenommene Medikamente
  • Therapien, die das Immunsystem beeinflussen
  • frühere ungewöhnliche Impfreaktionen
  • akute fieberhafte Erkrankungen
  • Schwangerschaft

Gerade bei mehreren Erkrankungen gleichzeitig lässt sich die Impfentscheidung nicht immer aus einer einzelnen Diagnose ableiten.

Was ist Anfang September 2026 konkret sinnvoll?

Für Menschen ohne besondere Risikofaktoren besteht kein Grund, die aktuelle Situation zu dramatisieren. Das RKI beschreibt die Influenza-Aktivität weiterhin als sehr niedrig. Eine Grippewelle hat noch nicht begonnen.

Für Menschen aus einer STIKO-Empfehlungsgruppe ist diese ruhige Phase allerdings praktisch. Jetzt kann ohne Zeitdruck geprüft werden, wann die letzte Impfung erfolgte, ob inzwischen eine neue chronische Erkrankung hinzugekommen ist oder ob man erstmals in eine Altersgruppe fällt, für die eine Standardimpfung empfohlen wird.

Ein ganz einfaches Beispiel: Wer im vergangenen Herbst noch 59 Jahre alt war und inzwischen 60 geworden ist, gehört ab dieser Saison zur von der STIKO definierten Standardimpfgruppe.

Auch bei einer neu diagnostizierten chronischen Erkrankung kann sich die Situation gegenüber dem Vorjahr verändert haben. Deshalb sollte die Entscheidung für 2026/27 auf der aktuellen gesundheitlichen Situation beruhen und nicht automatisch auf dem Vorgehen des vergangenen Winters.

Wichtig: Die Influenza-Impfung schützt gezielt vor Grippe und nicht vor allen Atemwegsinfektionen. Bei hohem Fieber, starker Atemnot, deutlicher Verschlechterung des Allgemeinzustands oder einem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf sollte eine akute Erkrankung medizinisch beurteilt werden.

Quellen

Robert Koch-Institut / STIKO – Influenza-Impfempfehlung
Offizielle Empfehlungen zu den Personengruppen, für die eine saisonale Influenza-Impfung vorgesehen ist, darunter Menschen ab 60 Jahren, Schwangere und Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen.

Robert Koch-Institut / STIKO – Wissenschaftliche Begründung zur Influenza-Impfung ab 60 Jahren
Wissenschaftliche Bewertung der Hochdosis- und MF59-adjuvantierten Influenza-Impfstoffe und Grundlage der aktuellen Empfehlung für Personen ab 60 Jahren.

Die Informationen in diesem Beitrag dienen der allgemeinen gesundheitlichen Aufklärung und ersetzen keine individuelle Impfberatung. Ob und wann eine Influenza-Impfung im persönlichen Fall empfohlen wird, sollte anhand der aktuellen STIKO-Empfehlungen, bestehender Erkrankungen und der individuellen gesundheitlichen Situation medizinisch geklärt werden.